Verdener Motorboot-Verein e.V.
 

Vor 50 Jahren fing alles an

Noch heute hängt im Vereinsheim in Höltenwerder ein gerahmter Schmierzettel mit den acht Namen der Gründungsmitglieder, die 1970 eine Vision hatten und sie in die Tat umsetzten. Es waren Mitglieder eines Verdener Wassersportvereins, in dem der Fokus auf dem Kanusport lag. Die Väter des VMV hatten Größeres im Sinn, als die Aller hinauf- und  hinunterpaddeln - auch wenn das Gewässer zu den schönsten zählt, die der Norden zu bieten hat. Aber es ist eben noch schöner, die gesamte norddeutsche Wasserwelt und Gebiete weit darüber hinaus zu erforschen und dann zufrieden in die idyllische Heimat zurückzukehren.

Am 2. April 1971 wurde der Verein offiziell gegründet, ein Gelände in der Allermarsch (mit Vorkaufsrecht) gepachtet und dann wurde kräftig in die Hände gespuckt. Es entstand ein Hafenbecken, ein Parkplatz wurde angelegt und die Wiese gestaltet. Der Flaggenmast wurde 1974 aufgestellt, als das Hafenbecken samt Slip-Anlage fertig war. Gab es anfangs nur Innenliegeplätze wurden bald die ersten Anlegemöglichkeiten draußen im Strom geschaffen, denn zwei der Boote aus den Anfangszeiten waren für das kleine Hafenbecken viel zu groß. Insgesamt fanden 1978 schon 37 Boote Platz im Höltenwerder Hafen (inzwischen sind es 47 Plätze).

Beim Abriss eines verfallenen Schafstalles auf dem kleinen Hügel inmitten des Geländes half im Jahr 1972 die Bundeswehr, zu der man über einige Mitglieder gute Beziehungen pflegte. 1977 wurde der Bau eines Vereinshauses nach 17 langen Monaten endlich genehmigt, es folgten laut Jahreshauptversammlungs-Protokoll „erhitzte Debatten“, ob man zum Bau rote Klinker oder Kalksandstein verwenden sollte. Rote Klinker, so die Überlegung damals, stellten eine visuelle Verbindung zum traditionellen „Roten Haus“ dar, dem markanten Nachbargebäude. Die Kosten für den Bau wurden auf rund 35.000 DM plus Eigenleistungen geschätzt. Die Mitglieder konnten Bausteine je 100 DM erwerben, die in den Folgejahren per Losverfahren nach und nach aus der Vereinskasse zurückgezahlt wurden, die letzten im Jahre 1982. So kam immerhin ein Drittel der Baukosten zusammen. Es folgte nach Abschluss der Bauzeit im Jahre 1979 eine zünftige Einweihungsfeier und es wurde auch gleich eine Hausordnung erlassen. Im selben Jahr pachtete der VMV einen 130 Meter langen Ufer-streifen dazu.
Ein Jahr zuvor half das THW - dessen Boote noch heute offiziell über den VMV zu ihren Einsätzen starten - beim Einspülen der Pfähle. Mit viel Arbeit und Elan ging es immer weiter voran und alle Tätigkeiten wurden mit reichlich Muskelkraft in zahllosen Arbeitsstunden erledigt.

Gegenströmung aushalten

Natürlich hatte der VMV wie jeder Verein Durststrecken zu überwinden und Krisen zu überstehen. Ende der 80er Jahre bahnten sich Probleme mit dem Grundstücks-Verpächter an. Aufreibende Verhandlungen und ein schier endloses Hickhack vor Gericht folgte mit Räumungsklagen, Zwangsvollstreckungen beim Verpächter und eifrigen Anwälten und Gutachtern. Es galt, das im Pachtvertrag angeblich unklar formulierte Vorkaufsrecht für den VMV einzuklagen und somit den Standort an der Aller zu sichern. Im späteren Stadium des Verfahrens wurde sogar ein Detektiv aktiv, um den verschwundenen Gläubiger des Verpächters in Bremen aufzuspüren - bis heute vergeblich. Zeitweise suchte der wechselnde VMV-Vorstand ebenso verzweifelt nach Ausweichflächen, weil alle Mühe vergebens schien.
Der Achimer Ölhafen war im Gespräch (heute Marina „Bootshaus“), der ehemalige Hafen in Intschede und das Wiesengelände vor der Schleuseneinfahrt Dörverden (heute „Palm Beach“). „Der Motorbootverein vor der Auflösung“ unkte 1995 dann schon die Verdener Aller-Zeitung. Eine Abordnung von VMVlern reiste seinerzeit eigens nach Celle, um bei einer maßgeblichen Gerichtsverhandlung Flagge zu zeigen und fand dort endlich Gehör und einen verständnisvollen Richter. Ende 1996 konnten erste positive Tendenzen zum Verbleib der Anlage in Höltenwerder registriert werden - das Gericht hatte zu Gunsten des VMV entschieden. Es dauerte aber noch bis zum 2. April 2003, bis das Grundstück endlich dem VMV gehörte. Im gleichen Jahr wurden 70 weitere Ufermeter dazugepachtet. 2006 wurde das letzte Wegestück vom früheren Verpächter käuflich übernommen.

Es geht voran

Nicht nur in der Fläche entwickelte sich der Verein, manche Dinge brauchten aber einfach viel Zeit: Die ersten Pläne zum Bau eines Lager- und Waschplatzes wurden 2001 geschmiedet. Über die Genehmigung bis zum Bau, dem Anschluss an das Kanalnetz und dessen offizieller Genehmigung bis zur Inbetriebnahme vergingen sechs Jahre! Schneller ging es beim Sanitärcontainer (2006). Ein Trecker-Oldie und ein alter Ifa-Lkw aus NVA-Beständen leisten bis heute zuverlässige Zugdienste beim Slippen. Ein Aufsitzmäher ist der  bevorzugte Arbeitsplatz zur Ableistung von Arbeitsstunden im VMV. Im Jahre 2006 wurde eine der beiden Garagen am Vereinsheim zu einer Küche umgestaltet, die bei großen Feiern auch als Theke genutzt werden kann. Irgendwann waren die maroden Außenstege ein großes Thema. Das Wasser- und Schifffahrtsamt sah die Sicherheit der Anlage - nicht zuletzt aufgrund der immer größer werdenden Boote - als nicht mehr gegeben an. Der damalige Vorstand schaffte es, Zuschüsse, Spenden und Kredite von eigenen Mitgliedern in Höhe von rund 160.000 Euro zu beschaffen, so dass der Verein 2013 eine nagelneue Steganlage an erheblich stabileren Fundamenten befestigen konnte.

Im Jahr 2021 ist dann die 50 Jahre alte Slipanlage nach mehrfacher provisorischen Reparaturen komplett erneuert worden. Die Mitglieder und auch unsere Gäste dürfen sich die nächsten Jahrzente über diese Investition des VMV ´s erfreuen.

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